Eine Linie mit einem Ziel
Manche Stühle verbergen ihre Herstellung unter einer glatten Oberfläche. Endless lässt sie sichtbar bleiben. Eine dicke Kunststofflinie wird schichtweise abgelegt; ihr Verlauf bleibt in den Rippen des Stuhls erkennbar. Die National Gallery of Victoria unterscheidet Dirk Vander Kooijs Entwurf von 2010 von ihrem eigenen, 2016 hergestellten Exemplar.1
Ein vertrauter Gegenstand erhält so einen ungewohnten Rhythmus. Ein Stuhl braucht weiterhin Sitz, Rücken und Halt vom Boden, doch diese Teile werden hier über den Weg des allmählich aufgetragenen Materials lesbar. Die Linie ist zugleich Herstellungsweise und etwas, das sich später betrachten lässt.
Ein Roboter wird zum Zeichenwerkzeug
Die ifa-Sammlung nennt wiederverwendeten Kunststoff für das Projekt.2 NGVs Ausstellungsmaterial beschreibt die robotische Fertigung.3 Der Roboter verschwindet nicht hinter einer makellosen Industrieoberfläche: Der Stuhl lässt die Herstellungsbewegung zu seiner Erscheinung beitragen.
Entlang der Schichten zu schauen lohnt sich. Richtungswechsel führen das Auge durch das Objekt, während die Stärke des abgelegten Materials den Maßstab des Verfahrens zeigt. Es ähnelt eher dem Verfolgen einer gezeichneten Linie als dem Lesen einer vollkommen glatten Formschale. Das ist eine Deutung des sichtbaren Verfahrens, keine technische Druckanleitung.

Ein früheres Materialleben bleibt dabei
NGVs Ausstellungstext nennt ausgediente Kühlschrankinnenräume als Quelle des Polycarbonats in diesem Zusammenhang.3 Material aus einem anderen Alltagsgegenstand wird für eine neue Nutzung verfügbar.
Diese konkrete Geschichte erklärt mehr als ein ungemessenes Umweltversprechen. Sie verbindet ein gewöhnliches Gerät, eine Werkstattmaschine und einen Sitzplatz. Endless macht diese Reise anschaulich: Der Kunststoff hat eine andere Aufgabe, und seine neue Oberfläche hält die dabei geleistete Arbeit sichtbar fest.
