Designerporträt

Lilly Reich: Der Raum beginnt mit einem Vorhang

Auf einer Berliner Modeausstellung konnten Besucher in der Stoffausstellung sitzen. Lilly Reichs und Mies van der Rohes Velvet and Silk Café verwandelte Textilien mit Vorhängen in den Raum selbst.

Ein interpretierter Caféinnenraum wird durch leuchtend gelbe Seide und dunkelrote sowie schwarze Samttrennungen mit Öffnungen dazwischen gegliedert.
PatinaHall editorial reconstruction. It is not a documentary photograph. Seide und Samt formen in dieser Caféinterpretation Sitzbereiche; der historische Grundriss wird nicht nachgebildet.
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Kernfakten und Erkenntnisse

Auf einen Blick

Thema
Lilly Reich
Artikeltyp
Designerporträt
Zuletzt geprüft
17. Oktober 2026

Drei Dinge, die du behalten solltest

  1. Das Café von 1927 ließ Besucher Textilien im Innenraummaßstab begegnen.
  2. Reich und Mies arbeiteten beim Café zusammen; die Vorhänge halfen, seine Bereiche zu ordnen.
  3. TECTA nennt Reichs Arbeit mit einem Korbmacher am Geflecht des Weißenhof-Stuhls.

Kaffee in einer Stoffausstellung

Das Velvet and Silk Café war 1927 Teil einer Berliner Damenmodeausstellung. Lilly Reich und Ludwig Mies van der Rohe schufen einen Innenraum, in dem Besucher zwischen den ausgestellten Textilien sitzen konnten. Lange Vorhänge formten die Bereiche um die Tische.1

Das verändert die Aufgabe eines Ausstellungsmusters. Ein kleines Muster lässt dich Stoff zwischen den Fingern fühlen. Ein Vorhang, groß genug, um einen Sitzbereich zu umschließen, lässt Fall, Farbe und Raumwirkung beurteilen. Besucher begegneten dem Material in dem Maßstab, in dem Innenraumgestalter es verwenden würden.

Eine Vorhangkante kann einen Eingang markieren

MoMAs Darstellung beschreibt Goldgelb, schwarzen Samt und rote Seide. Sie verbindet diese Farben auch mit der Flagge der jungen Weimarer Republik: Die Caféfarbe gehörte zu seinem öffentlichen Umfeld.1

Die Stoffunterschiede zählen ebenso wie ihre Farben. Dichter Samtflor und Seidenglanz fangen Licht unterschiedlich ein. Eine dunkle hängende Bahn kann die Tische dahinter abschirmen; eine helle kann den Blick durch den Raum ziehen. Wo der Vorhang endet, erscheint eine Öffnung ohne Türrahmen.

So kann Stoff ein Café ordnen. Seine Kanten helfen Besuchern, einen Weg zu finden; seine Falten mildern die Kontur eines Sitzbereichs. Die Materialien bleiben ausgestellt und leisten zugleich die Arbeit der Raumteilung.

Der Stuhlteil, den du tatsächlich berührst

Reichs Arbeit an einem geflochtenen Stuhl bringt diese Materialaufmerksamkeit näher an den Körper. TECTAs Geschichte schreibt ihr und Mies die Flechtidee für den Weißenhof-Stuhl zu, Reich die Entwicklung gemeinsam mit einem Korbflechtmeister.2

Das hier abgebildete spätere TECTA-Exemplar zeigt, warum das ein wesentlicher Beitrag ist. Metallrohr umreißt den Stuhl, doch das Geflecht bildet die breite Fläche unter der sitzenden Person und hinter ihrem Rücken. Wie es den Rahmen überspannt, bestimmt das Sitzgefühl mit.3

1932 übernahm Reich die Leitung der Bauhaus-Weberei und -Ausbauwerkstätten. MoMAs Katalog und Ausstellung von 1996 verorten diese Verantwortung in ihrer Laufbahn als Gestalterin und Architektin.45

Cafévorhang und Stuhlsitz machen diese Laufbahn greifbar. Der eine legt Stoff um Menschen; der andere trägt sie direkt. Bei beiden leistet das Material zwischen den Konstruktionslinien wesentliche Arbeit.

Ein späterer Weißenhof-Stuhl verbindet einen durchgehend geflochtenen Sitz und eine Lehne mit gebogenem Metallrohr-Freischwingergestell.
Eine spätere TECTA-Weißenhof-Neuauflage zeigt geflochtenen Sitz und Lehne neben dem Metallgestell. Image by TECTA. Public domain.
RecherchenotizenBelege, Zusammenhänge und Grenzen

MoMAs Cafénachempfindung von 2016 und die einleitende Rekonstruktion sind spätere Interpretationen. Das TECTA-Foto zeigt eine spätere Neuauflage, keinen Stuhl aus dem ursprünglichen Café; Reichs dokumentierter Flechtbeitrag ist von der Zuschreibung des ganzen Stuhls getrennt.

Belegübersicht

Verbundene Themen und Belege

Geprüfte Zusammenhänge

  • Lilly Reicharbeitete zusammen mitLudwig Mies van der Rohedokumentiert

    Das MoMA nennt Reich und Mies gemeinsam für das Velvet and Silk Café.

    Geprüft 10. September 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
    • Quelle 1Object description and historical account
  • Lilly Reichnahm teil anVelvet and Silk Café, 1927dokumentiert

    Reich entwarf das Ausstellungscafé von 1927 mit Mies.

    Geprüft 10. September 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
    • Quelle 1Object description and historical account
  • Woven Weißenhof chairentworfen vonLilly Reichdokumentiert

    Diese Beziehung dokumentiert ausdrücklich Reichs Beitrag zur geflochtenen Sitzfläche mit einem Korbmacher, keine alleinige Urheberschaft am Stahlstuhl.

    Geprüft 10. September 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
    • Quelle 2Object description and historical account

Rechercheweg

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Lilly Reich and Ludwig Mies van der Rohe: Velvet and Silk Café, 1927The Museum of Modern ArtAbgerufen 10. September 2026
  2. B42 / D42: Reich’s work on the woven seatTECTAAbgerufen 10. September 2026
  3. Later TECTA Weißenhof chair with weaving associated with Lilly Reich — photograph and public-domain rights recordWikimedia Commons / TECTAAbgerufen 10. September 2026
  4. Lilly Reich: Designer and Architect, exhibition catalogueThe Museum of Modern ArtAbgerufen 10. September 2026
  5. Lilly Reich: Designer and Architect, 1996 exhibitionThe Museum of Modern ArtAbgerufen 10. September 2026