Ein Platz für die Dinge zwischen Tätigkeiten
Ein Tisch kann an einem Tag zum Frühstücken, Arbeiten, Zeitunglesen und Spielen dienen. Ineke Hans’ Drawer Table beginnt mit dem Moment dazwischen: Die Dinge der einen Tätigkeit brauchen einen Platz, bevor die nächste anfangen kann.3
Ihr Studio datiert den Entwurf für Arco auf 2015. Schubladen passen unter eine dünn wirkende Platte und bringen Stauraum nah an die benutzte Fläche. Das Studio beschreibt filzartige Schubladen aus recyceltem PET, deren Größe sich auf den Sitzplatz einer Person bezieht.3
Die Beobachtung betrifft soziale Abläufe ebenso wie die Gestaltung des Möbels. Ein Tätigkeitswechsel wird leichter, wenn seine kleinen Dinge ein nahes Ziel haben. Eine Schublade kann helfen, den Tisch als gemeinsamen Raum zu bewahren.
Die Armlehne wird zum nutzbaren Raum
Smallroom, datiert 2012 und für Offecct entwickelt, stellt eine weitere Frage zu einem leicht übersehenen Bereich: Was kann eine Armlehne tun? Hans’ Projektbericht nennt gewöhnliche gepolsterte Unterstützung, eine Arbeitsfläche oder einen flachen Behälter für Lesestoff und Pflanzen.2
Die Armlehne wird zur Grenze zwischen einer sitzenden Person und dem größeren Raum. Eine Fläche oder ein Behälter an dieser Grenze verändert, was neben dem Sitz geschehen kann.
Rücken- und Seitenpaneele suchen ein verwandtes Gleichgewicht. Laut Studio geben sie Privatheit und lassen den umgebenden Raum zugleich visuell offen. Möbel helfen, einen kleineren Platz im Zimmer zu bestimmen, im Maßstab eines sitzenden Menschen.2

Entwerfen rund um soziale Gewohnheiten
Hans’ Studiobiografie nennt den sozialen Kontext als wiederkehrendes Interesse in ihren Möbeln, Produkten und Räumen. Sie gründete ihr Studio in den Niederlanden 1998, mit Möbel- und Produktkollektionen neben späterer Arbeit für Auftraggeber.1
Die beiden Projekte geben diesem breiten Interesse eine konkrete Form. Das eine blickt unter eine Tischplatte, das andere neben eine sitzende Person. Beide finden nutzbaren Raum in vertrauten Möbeln, indem sie beachten, was Menschen tun möchten.
So lässt sich Hans’ Arbeit betrachten. Man beginnt mit einem gewöhnlichen Wechsel—den Laptop wegräumen, ein Buch nehmen, vom Gespräch zur Arbeit übergehen—und bemerkt das kleine Teil, das dafür Platz schafft.


