Zuerst Volumen, dann Oberfläche
Ein Stuhl kann massiv wirken, ohne es durchgehend zu sein. Ineke Hans’ Fracture Furniture macht diesen Unterschied zur Konstruktionsgrundlage: Ein sehr leichter Polystyrolkern gibt dem Objekt Volumen, anschließend wird er von einer aushärtenden Hülle umschlossen.1
Die beiden Materialien haben unterschiedliche Aufgaben. Der Kern bietet eine Form, über der gearbeitet werden kann; die Hülle verändert, was aus dieser Form werden kann. Der frühe Studiobericht vergleicht das Wickelmaterial mit der Bandage um einen gebrochenen Arm. Das ist eine unerwartet vertraute Analogie für ein Experiment im Stuhlbau.1
So wird verständlich, weshalb die Oberfläche Aufmerksamkeit verdient. Sie gehört zur Herstellung des Objekts und kommt nicht erst als Dekoration hinzu, wenn die Konstruktion fertig ist.
Zeit für ein Experiment
Die ersten Modelle erschienen 2006 bei Mayday for Playday. Hans beschreibt die Ausstellung als Zeit außerhalb von Aufträgen, in der das Studio für Möbel ungewöhnliche Materialien erproben konnte. Die Experimente umfassten Hocker, Tische, Garderobenständer und verschiedene Stuhltypen.1
Diese Bandbreite ist wichtig. Eine Technik wurde durch mehrere alltägliche Formen erkundet, die unterschiedliche Anforderungen an dasselbe Verhältnis von Kern und Hülle stellten. Ein Sitz macht die Frage unmittelbar, weil sein Volumen auch zu einem Platz für einen Menschen werden muss.

Ein Experiment wird zur Auswahl
Ein eigener Studiobericht beschreibt die ausgewählte Fracture-Furniture-Kollektion von 2007. Er nennt Polystyrol im Inneren, Kunstharz darum und eine Polyesteroberfläche sowie Cappellini als Vertrieb. Sessel- und Hockerformen bündelten die Materialuntersuchung in einer engeren Gruppe.2
Die ausgewählten Stücke waren in Rot, Rosa und Schwarz erhältlich. Farbe macht ihre Volumen auffällig, doch die überraschendere Idee liegt unter der sichtbaren Oberfläche: Leichtes Inneres und härtere Außenseite arbeiten zusammen.2
Der Titel bietet einen Weg zurück zum Objekt. Man denkt an das Umwickeln als Herstellungsschritt und betrachtet dann den Stuhl. Was die Form scheinbar abschließt, hilft zugleich dabei, sie zum Möbel zu machen.
