Dem Knick folgen
Zig-Zag macht den Lastweg eines Stuhls zum Teil seiner Silhouette. Vier Holzflächen führen vom Boden über eine diagonale Stütze zu Sitz und Lehne. Die Kontur ist leicht zu merken, weil die übliche Sammlung aus Beinen und Zargen zu einer Folge von Richtungswechseln verdichtet wurde.
MoMA datiert den Entwurf seines Zig-Zag Chair auf 1934 und nennt Eichenholz mit Messingbeschlägen. Schon diese knappe Materialangabe erschwert die Vorstellung eines Stuhls, der durch bloßes Falten einer Platte entstanden wäre.1
Die schwierigen Stellen sind die Ecken
Eine Sitzfläche muss das Gewicht des Sitzenden in ihre Unterstützung weiterleiten. Bei diesem Stuhl biegt der Weg an der Verbindung mit der Diagonale und erneut an deren Übergang zur Bodenplatte ab. Diese kleinen Bereiche übernehmen Arbeit, die ein konventionelles Gestell auf mehr sichtbare Teile verteilt.
Cassinas Darstellung der späteren Fertigung lenkt die Aufmerksamkeit auf die Holzverbindungen, darunter Schwalbenschwanzverbindungen. Die klare Kontur hängt von Entscheidungen an den Kanten ab. Auf einem Foto von der anderen Raumseite können diese Entscheidungen fast verschwinden; aus der Nähe werden sie wieder sichtbar.3
Es hilft, zunächst einer Verbindung zu folgen und dann den ganzen Stuhl erneut anzusehen. Die starke grafische Form wird so zu einer Konstruktion aus Beziehungen zwischen Flächen, Kanten und Beschlägen.

Eine Linie brauchte mehrere Versuche
Das Centraal Museum führt die Entwicklung auf 1932 zurück und erläutert Rietvelds Ziel eines Stuhls aus einer einzigen Platte. Seine Ausstellungsgeschichte zeigt Zig-Zag als sich entwickelnde Familie mit veränderten Proportionen, Armlehnen und Rückenformen, statt als sofort fertige Idee.2
Die Daten beschreiben diesen Prozess von unterschiedlichen Standpunkten aus. Frühe Entwicklung und bekanntes Holzmodell müssen nicht in dasselbe Jahr gezwängt werden. Ebenso wenig beweist das Ergebnis aus vier Flächen, dass Rietveld tatsächlich einen Stuhl durch Falten eines einzigen Materialstücks schuf. Der Eindruck von Kontinuität und die Art der Verbindung sind verschiedene Teile der Geschichte.
Wenig Stellfläche im Raum
Die offene Seite verleiht Zig-Zag eine besondere räumliche Präsenz. Eine breite Sitzfläche liegt über einer Diagonale, darunter bleibt ein ununterbrochener Luftraum. Beim Umrunden zeigt die schräge Platte abwechselnd ihre breite Fläche und ihre schmale Kante. Das Objekt verändert sich ohne beweglichen Mechanismus.
Spätere Fertigungen ergänzen die Kontur um eigenes Holz, Oberflächen und handwerkliche Ausführung. Solche Entscheidungen gehören zur Produktionsgeschichte und sollten nicht zur Datierung jedes erhaltenen Stuhls dienen.3
Der einprägsame Zickzack lädt zum Hinschauen ein. Noch aufschlussreicher ist, was geschieht, sobald seine Linie eine Ecke erreicht.

