Entwurfsgeschichte

Steltman: ein Stuhl, der neben seinem Spiegelbild verständlich wird

Ein Steltman Chair lädt zum Umrunden ein. Stellt man sein Spiegelbild daneben, erscheint eine weitere Idee: Zwei ungleiche Formen können ein bewusstes Paar bilden. Rietveld entwarf diese Begegnung für ein bestimmtes Geschäft, in dem die Beziehung der Kunden ebenso wichtig war wie der einzelne Sitz.

Redaktionelle Rekonstruktion eines asymmetrischen schwarzen Holzstuhls mit drei Bodenstützen, auskragendem Rückenbrett und einer Armlehne.
PatinaHall editorial reconstruction. It is not a documentary photograph. Redaktionelle Rekonstruktion, keine dokumentarische Fotografie. Ein erdachter rechtwinkliger Stuhl führt Asymmetrie und offenen Raum ein. Er dokumentiert weder das ursprüngliche bezogene Geschäftspaar noch eine vermessene spätere Holzversion.
Auf dieser Seite
Kernfakten und Erkenntnisse

Auf einen Blick

Thema
Steltman Chair
Artikeltyp
Entwurfsgeschichte
Zuletzt geprüft
23. Oktober 2026
Entworfen
1963dokumentiert

Drei Dinge, die du behalten solltest

  1. Der Stuhl wurde 1963 für das Interieur eines Juweliers entworfen.
  2. Das Geschäft nutzte ein Spiegelbildpaar mit Armlehnen an entgegengesetzten Seiten.
  3. Der ursprüngliche Bezug und die spätere sichtbare Holzversion sind zu unterscheiden.

Zwei Sitze an einer Vitrine

Die Asymmetrie des Steltman Chair wird verständlicher, sobald zwei Exemplare zusammenkommen. Rietveld entwarf 1963 ein spiegelbildliches Paar für das Geschäft des Juweliers Steltman in Den Haag. Kunden konnten neben einer Vitrine sitzen und die Gegenstände vor sich betrachten. Der Stuhl gehörte zu dieser konkreten Anordnung.1

Eine Armlehne auf einer Seite lässt die andere offen. Kehrt man die Anordnung um, antwortet der zweite Stuhl auf den ersten. Das Paar schafft eine Beziehung zwischen Menschen, Möbeln und Vitrine. Die spiegelbildliche Armlehnenanordnung gibt ihm eine gemeinsame Ordnung, während jeder Sitz asymmetrisch bleibt.

Raum zwischen den Teilen

Die sichtbare Holzversion besteht aus einem kleinen Vokabular senkrechter und waagerechter Teile. Manche Flächen tragen den Sitzenden, andere beschreiben Rücken oder Kante. Rechteckige Lücken fallen ebenso auf wie die festen Teile. Mit dem Standpunkt verändert sich, welche Öffnungen einen Durchblick ermöglichen.

Das Saint Louis Art Museum deutet dieses Gleichgewicht über Rietvelds Rückkehr zu Ideen von De Stijl. Sein Eintrag bewahrt außerdem eine wesentliche praktische Unterscheidung: Rietveld ist der Gestalter, Gerard van de Groenekan der Hersteller des Museumsstuhls.3

Das Objekt belohnt einen langsamen Rundgang. Aus einer Richtung wirkt es beinahe geschlossen, aus einer anderen auffallend offen. Dieselben geraden Bauteile erzeugen unterschiedliche Lesarten, weil sie unterschiedliche Positionen im Raum einnehmen.

Zwei abstrakte spiegelbildliche Sitzanordnungen tragen die Armlehnen an entgegengesetzten Seiten.
Original PatinaHall schematic, not to scale. Eigenes redaktionelles Schema, nicht maßstabsgerecht. Spiegelbildliche Anordnungen können die Armlehne an entgegengesetzte Seiten setzen. Diese abstrakten Sitz-Arm-Skizzen erklären Seitigkeit, statt die Stuhlkonstruktion wiederzugeben.

Das vertraute Holz kam später

Die für das Geschäft gebauten Stühle waren weiß bezogen. Spectrum unterscheidet diese Originale von der Holzversion, die nach Rietvelds Tod entstand. Die Kontur, die heute häufig als bloßes Eichenholz begegnet, hat somit eine Geschichte mit einer anderen Oberfläche.2

Das ist wichtig, weil ein Bezug mehr als die Farbe verändert. Er verändert die Kante, die Haptik einer Fläche und die Art, wie einzelne Teile ins Auge treten. Würde man ihn aus der Geschichte entfernen, erschiene die heute vertraute Version als gesamte ursprüngliche Absicht.

Ein Entwurfsdatum ist eine Art von Datum

Das Centraal Museum kennzeichnet 1963 ausdrücklich als Entwurfsdatum und lässt die Ausführung seines konkreten Exemplars offen. Es kann den Entwurf sicher benennen, ohne vorzugeben, jeder Teil der Objektgeschichte sei geklärt.1

Gerade diese Genauigkeit macht die Geschichte interessanter. Es gab einen Auftrag, ein ursprüngliches Paar, Hersteller und spätere Versionen. Mit dem Blick zurück auf die beiden Sitze an der Vitrine ist die Asymmetrie mehr als eine auffällige Form. Sie wird zu einer Möglichkeit, eine Begegnung zu gestalten.

RecherchenotizenBelege, Zusammenhänge und Grenzen

Das ursprüngliche Geschäftspaar und die bekannteren Holzversionen müssen getrennt bleiben. Das Entwurfsdatum 1963 eines Museums belegt nicht die Herstellung seines Stuhls in diesem Jahr; das Centraal Museum lässt die Ausführung ausdrücklich undatiert.

Belegübersicht

Verbundene Themen und Belege

Geprüfte Fakten

  • Entworfen 1963dokumentiert

    Das ursprüngliche Geschäftspaar und die bekannteren Holzversionen müssen getrennt bleiben. Das Entwurfsdatum 1963 eines Museums belegt nicht die Herstellung seines Stuhls in diesem Jahr; das Centraal Museum lässt die Ausführung ausdrücklich undatiert.

    Geprüft 23. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.

Geprüfte Zusammenhänge

  • Steltman Chairentworfen vonGerrit Rietvelddokumentiert

    Der zitierte Eintrag benennt den Gestalter dieses Entwurfs oder dieser zusammenhängenden Projektfamilie.

    Geprüft 23. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
  • Steltman Chairproduziert vonGerard van de Groenekandokumentiert

    Die Quelle verzeichnet diese Produktionsbeziehung; sie benennt nicht Hersteller oder Datum eines ungeprüften Exemplars. Spätere Studiofertigung datiert den ursprünglichen Entwurf nicht.

    Geprüft 23. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
    • Quelle 1Object 26103: Maker; ontwerp 1963, uitvoering onbekend

Rechercheweg

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Steltmanstoel, object 26103Centraal Museum UtrechtAbgerufen 23. Oktober 2026
  2. Steltman chairSpectrum DesignAbgerufen 23. Oktober 2026
  3. Steltman Chair, object 85:2000Saint Louis Art MuseumAbgerufen 23. Oktober 2026