Bei den Brettern beginnen
Der Crate Chair stellt zuerst eine praktische und erst dann eine ästhetische Frage: Wie viel Möbel lässt sich aus gewöhnlichen Brettern gewinnen? Gerrit Rietveld antwortete mit einem niedrigen, offenen Sessel, dessen breite Teile gut unterscheidbar bleiben. Material, Montage und Verkaufsweise gehörten zu derselben Idee. Das Centraal Museum datiert seine ersten Kistenmöbel auf 1934 und hält fest, dass er sie montiert oder als Bausatz lieferte.1
Betrachte die breiten Flächen und die Zwischenräume. Ein Brett kann den Körper tragen, eine Kante bestimmen oder andere Teile verbinden. Diese Aufgaben bleiben sichtbar. Der Sessel braucht kein durchgehendes Polstervolumen, um seinen Platz im Raum verständlich zu machen. Ein beträchtlicher Teil seiner Silhouette besteht aus dem Raum dahinter.
Eine raue Oberfläche durfte dazugehören
Das Design Museum ordnet Crate in die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der frühen 1930er Jahre ein. Es beschreibt preiswertes Holz mit sichtbaren Fehlern und eine bewusst einfache Konstruktion. Die Unregelmäßigkeit gewöhnlichen Holzes passte zum Entwurf, statt unter einer aufwendigen Oberflächenbehandlung verschwinden zu müssen.2
Das verändert die Wahrnehmung des Objekts. Maserung, ein Ast und die Breite eines Bretts können Teil seines Charakters bleiben. Interessant ist der Vergleich zwischen der regelmäßigen Anordnung und dem unregelmäßigen Material. Wiederholte Teile geben dem Sessel Ordnung; das Holz verhindert, dass diese Ordnung vollkommen anonym wirkt.

Möbel fürs Wochenende
1935 führte Metz & Co eine Kistenmöbelserie als Weekend Furniture ein. Das Centraal Museum verbindet sie mit erschwinglichen Einrichtungen für Ferienhäuser. Die Bausatzoption verlagerte zudem einen Teil der Arbeit aus der Werkstatt: Der Käufer konnte Einzelteile statt eines fertigen Sessels erhalten.1
Ein Bausatz macht das Verhältnis von Entwurf und Montage ungewöhnlich deutlich. Der Hersteller muss klären, welche Teile zusammengehören, bevor jemand anders sie zusammenbauen kann. Einfachheit ist daher eine Aufgabe für den Gestalter und zugleich eine mögliche Erleichterung für den Kunden. Die Dokumentation belegt diese konkrete Lösung; sie begründet keine allgemeine Ersterfindung des zerlegbaren Möbels.
Die Idee überdauert eine Ausführung
Die spätere Zusammenarbeit von Rietveld Originals und HAY brachte die Crate-Serie wieder in Produktion. HAY stellt eine Verbindung zu Rietvelds Ziel erschwinglicher, gut gestalteter Möbel her. Das ist die Darstellung eines Herstellers zur Neuauflage und kein Beleg dafür, dass seine heutigen Produkte mit jedem früheren Sessel identisch sind.3
Über die Einzelteile führt ein hilfreicher Weg zurück zur ursprünglichen Idee. Folge einem Brett, erkenne seine Aufgabe und betrachte dann den offenen Sessel erneut. Ein bescheidenes Stück Holz ist zum funktionierenden Bauteil und zur Linie im Raum geworden.

