Eine Stütze kehrt zurück
Der Name Beugel lenkt den Blick auf die Bügel des Stuhls. Statt im Hintergrund zu verschwinden, geben gebogene Stahlstützen Gerrit Rietvelds Sitzmöbel einen offenen Umriss. Das Centraal Museum verzeichnet den Beugel-Entwurf mit 1927.1 Der Reiz liegt darin, einer Stütze um den Sitzenden herum und zurück zum Boden zu folgen.
Das Gestell umschließt Raum, ohne ihn auszufüllen. Die Zwischenräume wirken mit: Licht fällt zwischen den Stützen hindurch, und die Sitzfläche erscheint als vergleichsweise dünne Schicht darin. Der Stuhl besitzt einen Körper, gibt dem Zimmer aber viel Raum zurück.
Zwei Materialien, unterschiedliche Kurven
Das Centre Pompidou nennt bei seinem Sessel gebogenen Stahl, geformtes Sperrholz und hölzerne Armlehnen sowie Gerard van de Groenekan als Hersteller.2 Die Materialien erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Stahl zeichnet den tragenden Weg; Sperrholz bietet eine breitere Kontaktfläche; die Armlehnen markieren weitere Berührungspunkte mit dem Körper.
Ein Bügel und eine geformte Platte müssen nicht derselben Kurve folgen. Ihr Unterschied macht den Aufbau lesbar. Zuerst fällt die Sitzkante auf, dann der Raum daneben: Die eine bestimmt den Platz des Körpers, der andere hält die Stütze sichtbar. Dünnheit entsteht als Verhältnis zwischen Teilen.

Eine Familie für den genauen Blick
Die Museen dokumentieren unterschiedliche Beugel-Exemplare. Ihre Maße und genauen Materialangaben gehören zu diesen einzelnen Beständen. Die Vielfalt macht die Familie interessant: Eine ordnende Idee kann verschiedene Ausführungen überdauern.
Sobald die Bügel auffallen, verändert sich eine vertraute Frage. Statt zu fragen, warum so wenig im Stuhl steckt, lässt sich fragen, wie klar er das Vorhandene verteilt. Ein durchgehender Umriss, eine geformte Fläche und freie Luft erhalten jeweils eine sinnvolle Aufgabe.

