Das gekreuzte Gestell bleibt starr
Von der Seite kreuzen sich die Eichenteile unter dem Sitz zu einem kräftigen X. Schnitzereien betonen Verbindungen und Enden und machen die Konstruktion des Stuhls zu einem aktiven Teil seiner Erscheinung. Er blickt auf historische Formen zurück und zeigt zugleich ein kräftiges starres Gestell.
Das Met verbindet den Entwurf mit einem Stuhl aus Crispijn de Passes Möbelpublikation von 1642. Dieser Vergleich ist genauer, als das Objekt einen erhaltenen mittelalterlichen Stuhl zu nennen, und bedeutet nicht, dass das Gestell des neunzehnten Jahrhunderts klappbar ist.1
Ein Entwurf kann seinen Urheber überleben
Pugin starb 1852. Holland & Sons fertigte diesen Stuhl 1859 für das Speaker’s House. Die beiden Daten gehören zu unterschiedlichen Arten von Arbeit: Entwurf und Produktion.1
Das ist eine nützliche Korrektur der häufigen Benennung von Möbeln. „Pugins Stuhl“ kann den Entwurf bezeichnen, ohne zu behaupten, dass er dieses konkrete Objekt beim Verlassen der Werkstatt beaufsichtigte. Der Herstellername bewahrt die praktische Fortführung des Konzepts.

Ein institutioneller Raum sammelt unterschiedliche Daten
Die Darstellung des Parlaments zum Crimson Drawing Room beschreibt eine Mischung von Ausstattungen, darunter Stücke mit Bezug zu den 1850er-Jahren, wesentlich später erworbene Pugin-Stühle und einen Teppich, der in den 1980er-Jahren erneut ein historisches Muster verwendete. Dieser Raum ist ein anderer Zusammenhang als die konkrete Geschichte des Met-Stuhls, zeigt aber, wie das Speaker’s House seine Ausstattung angesammelt und erneuert hat.2
Ein Raum kann deshalb stilistisch einheitlich wirken, ohne dass alles darin dasselbe Herstellungsdatum teilt. Institutionen bewahren Entwürfe, versetzen Objekte und bestellen Ersatzstücke. Ihre Innenräume haben Nutzungsgeschichten ebenso wie Entstehungsmomente.
Das Leder hat ein späteres Leben
Das rote Leder des Stuhls ist modern, obwohl seine Prägung und Vergoldung die heutige Erscheinung stark bestimmen. Eiche und sichtbarer Bezug können nicht einfach demselben Alter zugeordnet werden.1
Auf dem Foto von vorn macht das rote Feld das geschnitzte Gestell leichter lesbar. In der schrägen Ansicht tritt die X-Konstruktion hervor. Gemeinsam zeigen sie, wie Konstruktion und Oberfläche zusammenwirken, auch wenn ihre Geschichten unterschiedlich sind.
Die einprägsamste Lehre des Stuhls liegt in seinen Daten. Der Tod eines Designers beendete nicht die Nutzung seiner Formen, und ein erhaltenes Holzgestell behielt seinen Bezug nicht unverändert. Das Objekt vor uns trägt heute sowohl Kontinuität als auch Erneuerung.
