Der nützliche Teil bleibt erkennbar
Eine Sitzfläche hat eine alltägliche Aufgabe, auch wenn ihre Stützen außergewöhnlich aussehen. Beim Original gravity stool der NGV gibt die relativ gleichmäßige Oberseite dem Auge einen Ruhepunkt. Darunter wird das Material gerippt und unregelmäßig. Ein vertrautes Möbel vereint zwei verschiedene Arten von Ordnung.
Das Museum nennt für sein Objekt Eisen, Polyurethan und Pigment. Es datiert den Entwurf auf 2011 und diese Herstellung auf 2016. Der Erwerb 2017 ist ein weiteres Ereignis in der Geschichte des Hockers, kein alternatives Entwurfsdatum.1
Diese Unterschiede zählen, weil der Prozess Abweichungen zwischen Exemplaren zulässt. Ein Hocker kann nicht für jede Form stehen, die das Werkzeug hervorbringen könnte. Das Museumsobjekt gibt der Geschichte einen festen Bezug, ohne das ganze Experiment zu vereinheitlichen.
Die Zeichnung wandert in die Maschine
Van der Wiels Bericht beginnt mit der Mischung. Er bringt eisenhaltigen Kunststoff in eine eigens gebaute Vorrichtung ein, deren Magnete das Material beeinflussen, während sich die formenden Teile voneinander entfernen. Die Lehrdarstellung der NGV beschreibt den großen Rahmen und die magnetischen Formen, durch die der Hocker Gestalt annimmt.12
Eine Entwurfsentscheidung kann hier die Form einer Bedingung annehmen: wo das Material beginnt, wo ein Magnet sitzt, wann sich zwei Teile trennen. Die fertige Kontur zu zeichnen ist nur eine Möglichkeit, eine Form festzulegen. Eine Vorrichtung zu bauen bietet eine andere.
Besonders deutlich wird das im Verhältnis zwischen Sitzfläche und Stützen. Van der Wiel sagt, dass er die Sitzform und die Plätze der Beine bestimmt. Er verzichtet darauf, jede Kontur vorzuschreiben, statt die nützliche Ordnung des Möbels aufzugeben.1

Variation hat einen Rahmen
Das Studio nennt das größere Projekt Gravity Series und beschreibt die entgegenwirkenden Felder als Mitbestimmer seiner Formen. Der Name verweist auf eine Faszination für Kräfte; Magnetismus und Schwerkraft bleiben unterschiedliche physikalische Phänomene.3
Interessant ist die Verteilung der Verantwortung. Der Gestalter entwickelt Mischung und Vorrichtung. Das Material reagiert innerhalb dieser Anordnung. Das fertige Objekt trägt Spuren von beidem; eine unregelmäßige Kante kann deshalb zum Prozess gehören statt zu einem gezeichneten Ornament.
Der Hocker gibt dem Experiment einen menschlichen Maßstab. Er ist klein genug, um als Möbel für einen Raum lesbar zu bleiben, während seine Oberfläche die Formgebung ungewöhnlich präsent macht. Man erkennt den Sitz sofort und kann länger darüber nachdenken, was ihn trägt.
Ein Werkzeug kann eine Handschrift hinterlassen
Eine gewöhnliche Form erleichtert meist das Wiederholen von Konturen. Dieses Werkzeug macht kontrollierte Unterschiede zum Bestandteil der Arbeit. Die Familienähnlichkeit liegt ebenso in der Art der Formgebung wie im Umriss.
Schauen Sie noch einmal vom Sitz nach unten. Die vertraute Fläche begründet das Objekt; die Stützen zeigen einen anderen Weg dorthin. Gravity Stool macht die Bedingungen des Herstellens fast so einprägsam wie das hergestellte Ding.
