Der Bezug muss seine Form bewahren
Cow Chair gibt einem vertrauten Material eine ungewohnte konstruktive Aufgabe. Statt Haut über ein separat sichtbares Gestell zu legen, macht das Objekt die geformte Haut selbst zum zentralen Möbelgedanken.
Das Centraal Museum erklärt sein Unikat 28635 durch unbehandelte Haut, die über einer Form geformt und in dieser Gestalt getrocknet wurde. Der Text beschreibt ausdrücklich das Fehlen eines separaten Gestells, von Epoxidharz und Konservierungsmittel.1
Das verändert die Lesart des Stuhls. Eine mit Bezug verbundene Fläche wird zum Material, das den Umriss eines Sitzes bewahren soll. Die gewöhnliche Trennung zwischen dem Bezogenen und dem Beziehenden wird zu einer hilfreichen Frage an das Objekt.
Ein vertrautes Material erhält eine andere Verantwortung
Das Material bewahrt genug von seiner Identität, um die Veränderung verständlich zu machen. Man kann Haut als Haut erkennen und sich zugleich eine Aufgabe vorstellen, die sonst einer Tragstruktur zufällt.
Darin liegt die Überraschung des Entwurfs. Das Interesse am Stuhl hängt nicht nur von einer ungewöhnlichen Silhouette ab. Es hängt auch davon ab, zu wissen, welche Aufgabe das sichtbare Material übernehmen soll.
Das Museum nennt Niels van Eijk einzeln und datiert dieses konkrete Objekt auf 1997, mit Erwerb 2000. Damit bleibt das Materialexperiment an ein präzises frühes Werk gebunden.1
Ein solches Objekt kann eine umfassendere Sehweise verändern. Bezug, Stütze und Form sind Rollen, die Möbel Materialien geben. Hier kommen zwei dieser Rollen einander nahe genug, um ihre übliche Trennung bemerkbar zu machen.

Zwei Museumseinträge, zwei Objektgeschichten
Boijmans erfasst einen anderen Cow Chair als V 1977(KN&V), geschaffen 1996 und erworben 1997. Der Eintrag nennt van Eijk und Droog als Vertrieb.2
Die getrennten Einträge lassen jedem Stuhl seine eigene Zeitfolge. Ein früheres Datum in einer Sammlung schreibt die Identität des anderen Objekts nicht um, und eine Vertriebsrolle wird nicht zur Angabe eines ausführenden Herstellers.
Diese Unterscheidung bewahrt auch, was das Unikat des Centraal Museum sehenswert macht: Eine konkrete Haut erhielt die Form eines Stuhls und eine neue Materialverantwortung. Der Bezug ist zu dem geworden, was das Auge als Möbel betrachten muss.
