Entwurfsgeschichte

Berlin Chair: ein Stuhl mit mehr als einer Vorderseite

Ein Stuhl lädt meist zum schnellen Lesen ein: Rücken, Sitz, Arme, Beine. Berlin Chair lässt diese Lesart um das Objekt wandern. Seine ungleichen Flächen wirken wie Architektur für einen Menschen.

Ein asymmetrischer Stuhl aus schwarzen, weißen und grauen rechteckigen Flächen mit einer breiten erhöhten Armfläche.
PatinaHall editorial reconstruction. It is not a documentary photograph. Redaktionelle Rekonstruktion, kein dokumentarisches Foto. Eine Interpretation kreuzender Flächen und ungleicher Seiten zeigt den Wandel mit dem Blickpunkt. Dies ist nicht MoMAs konkretes Exemplar von 1979.
Auf dieser Seite
Kernfakten und Erkenntnisse

Auf einen Blick

Thema
Berlin Chair
Artikeltyp
Entwurfsgeschichte
Zuletzt geprüft
25. Oktober 2026
Entworfen
1923dokumentiert

Drei Dinge, die du behalten solltest

  1. Rietveld entwickelte den Entwurf 1923.
  2. Die beiden gespiegelten Anordnungen sind verschiedene Versionen.
  3. MoMAs von Cassina gefertigtes Exemplar stammt von 1979.

Um die Flächen herumgehen

Berlin Chair belohnt einen zweiten Blickpunkt. Eine aufrechte Fläche kann aus einer Richtung als Rücken und aus einer anderen als Trennwand erscheinen. Die breite auskragende Armfläche verleiht einer Seite ein anderes visuelles Gewicht, während die Öffnungen unter und neben dem Sitz den Raum durch die Komposition führen.

Schwarz und Weiß schärfen diese Beziehungen. Statt geschnitzter Ornamente übernehmen Kanten und Verbindungen flacher Teile die visuelle Arbeit. Die Stiftung ordnet die Idee 1923 ein, im Zusammenhang mit einem gemeinsam mit Vilmos Huszár entwickelten Raum und Farbkonzept.2

Asymmetrie gibt dem Raum eine Rolle

Die ungleichen Seiten machen die Platzierung besonders interessant. Eine Drehung verändert, welche Fläche das Auge zuerst erreicht und wohin die offene Seite zu führen scheint. Ecke, Wand oder benachbartes Objekt werden Teil dieser Lesart.

Die Stiftung nennt links- und rechtshändige Anordnungen.2 Das sind gespiegelte Kompositionen und kein Beleg dafür, dass sich ein Arm von einer Seite auf die andere schwenken lässt. Jede Anordnung gibt dem Stuhl eine eigene Beziehung zum umgebenden Raum.

Drei ungleiche Flächen treffen rechtwinklig aufeinander; ein Pfeil deutet einen wechselnden Blickpunkt an.
Original PatinaHall schematic, not to scale. Originale redaktionelle Darstellung, nicht maßstabsgerecht. Die visuelle Beziehung zwischen kreuzenden Flächen und offenen Zwischenräumen verändert sich mit dem Standort des Betrachters. Die Zeichnung legt keine vermessene Berlin-Chair-Version fest.

Eine Idee, mehrere Zeitpunkte

Die Idee von 1923 und ein späterer physischer Stuhl brauchen getrennte Daten. Nach der Stiftung bestand der frühe Entwurf wahrscheinlich zunächst als Modell. MoMA beschreibt sein eigenes Exemplar aus bemaltem Buchenholz als 1923 entworfen und 1979 gefertigt und nennt Cassina als Hersteller.12

Dieser Abstand gehört zum Reiz. Ein kompaktes Flächenexperiment ließ sich Jahrzehnte später als Möbel in voller Größe wieder aufgreifen. Berlin Chair zeigt, wie viel von einem Raum ein einzelner Sitz leise neu ordnen kann.

RecherchenotizenBelege, Zusammenhänge und Grenzen

Die Stiftung unterscheidet die Idee von 1923, vermutlich zunächst ein Modell, von späteren Versionen. MoMA verzeichnet ein Cassina-Exemplar von 1979. Huszárs Zusammenarbeit betrifft Raum und Farbkonzept und belegt keine gemeinsame Urheberschaft am Stuhl.

Belegübersicht

Verbundene Themen und Belege

Geprüfte Fakten

  • Entworfen 1923dokumentiert

    Die Stiftung datiert die Idee auf 1923, vermutlich zunächst als Modell. MoMAs von Cassina gefertigtes Exemplar stammt von 1979, Objekt 13.1980.

    Geprüft 25. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.

Geprüfte Zusammenhänge

  • Berlin Chairentworfen vonGerrit Rietvelddokumentiert

    Gerrit Rietveld entwarf den Stuhl. Vilmos Huszár wirkte an Raum und Farbkonzept mit, nicht automatisch am Stuhlentwurf. Cassina wird als Hersteller von MoMAs Exemplar von 1979 genannt; diese Angabe gilt nicht automatisch für jeden Berlin Chair.

    Geprüft 25. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
  • Berlin Chairproduziert vonCassinadokumentiert

    Gerrit Rietveld entwarf den Stuhl. Vilmos Huszár wirkte an Raum und Farbkonzept mit, nicht automatisch am Stuhlentwurf. Cassina wird als Hersteller von MoMAs Exemplar von 1979 genannt; diese Angabe gilt nicht automatisch für jeden Berlin Chair.

    Geprüft 25. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.

Rechercheweg

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Berlin Chair: Title/date; Manufacturer; Object numbermoma.orgAbgerufen 25. Oktober 2026
  2. Furniture: Utrecht armchair, 1935Rietveld FoundationAbgerufen 23. Oktober 2026