Eine Serie, acht Rücken
Chair 101 gibt einem Raum voller Stühle schon vor dem Hinsetzen Gesprächsstoff. Maarten Baas entwarf acht verschiedene Rückenlehnenformen für Lensvelt. Das gepolsterte Produkt bezeichnet sie mit A–H: eine festgelegte Reihe von Varianten innerhalb einer Serie.2
Der Rücken ist ein geeigneter Ort für Unterschiede. Rund um einen Tisch ragt er über die Sitzfläche und zeigt jeden Stuhl dem Raum. Ändert sich seine Kontur, wirkt die ganze Gruppe weniger einheitlich, selbst wenn die Stühle Rahmen und Bezug teilen.
Lensvelt vergleicht die Formen mit einer Kinderzeichnung. Ihr Reiz liegt in der lockeren Kontur, bewahrt in Möbeln, die als Serie gefertigt werden sollen.1

Ein Raum voller Charakter
Stellt man unterschiedliche Rücken nebeneinander, wird Vergleichen Teil des Betrachtens. Eine Kontur mag aufrechter wirken, eine andere ausladender. Das sind Eindrücke, die Betrachtende mit Formen verbinden, keine vom Hersteller vergebenen Persönlichkeiten.
Farbe kann eine weitere Ebene hinzufügen, doch die Silhouette trägt die Idee bereits. Auch eine einfarbige Gruppe kann Unterschiede enthalten; der Raum braucht nicht für jeden Stuhl einen kontrastierenden Stoff.
Das macht den Entwurf besonders im Maßstab eines Tisches lesbar. Der wiederholte Rahmen sammelt die Stühle zu einer Familie, während die Rücken den Blick von einem Mitglied zum nächsten führen.
Eine Präsentation bittet um Aufmerksamkeit
Lensvelt bezeichnet die Mailänder Installation May I have your attention, please? von 2017 als Einführung von Chair 101. Der Titel passt zu einem Entwurf, der einem scheinbar gewöhnlichen Stuhl auffällige Konturen gibt.3
Am besten versteht man Chair 101 deshalb, wenn man mehrere zusammen betrachtet. Ein Stuhl liefert eine Form; eine Reihe offenbart die Idee. Die vertraute Szene von Stühlen um einen Tisch wird zu einer kleinen Versammlung unterschiedlicher Konturen.
