Objektgeschichte

Kasese Sheep Chair: ein leichtes Gestell trifft auf Filz

Eine weiche Filzfläche und ein schlankes dunkles Gestell versprechen dem Auge sehr Unterschiedliches. Hella Jongerius bringt sie im Kasese Sheep Chair zusammen und überträgt die Erinnerung an einen Holzhocker in einen leichten Klappstuhl. Interessant ist, wie diese Übersetzung das Objekt verändert und nicht nur sein Material.

Weiche graue filzartige Sitzfläche innerhalb eines schlanken dunklen Klappgestells.
PatinaHall editorial reconstruction. It is not a documentary photograph. Redaktionelle Rekonstruktion, kein dokumentarisches Foto. Ein weiches Textilfeld behält seinen Charakter gegenüber einem leichten dunklen Gestell.
Auf dieser Seite
Kernfakten und Erkenntnisse

Auf einen Blick

Thema
Kasese Sheep Chair, MoMA114.2003
Artikeltyp
Objektgeschichte
Zuletzt geprüft
26. Oktober 2026
Objekt datiert
1999dokumentiert

Drei Dinge, die du behalten solltest

  1. Das MoMA-Objekt verbindet Kohlenstofffaser, Glasfaser und Filz.
  2. Der Museumstext würdigt einen Hocker eines Tischlers in Kasese.
  3. Stühle und Prototypen anderer Museen besitzen eigene Zuschreibungen und Maße.

Ein vertrauter Ausgangspunkt nimmt eine neue Richtung

Der MoMA-Bericht über Kasese beginnt mit einer Begegnung. Laut Museumstext sah Jongerius einen dreibeinigen Hocker, den ein Tischler in Kasese, Uganda, gefertigt hatte, und entwickelte einen neuen Klappstuhl aus leichten Hightech-Materialien.1

Diese Beschreibung würdigt eine Quelle, ohne deren Objekt mit dem fertigen Entwurf gleichzusetzen. Ein Hocker und ein Klappstuhl ordnen Stütze und Körper unterschiedlich. Ein Materialwechsel verändert auch die sichtbare Beziehung zwischen Fläche, Gestell und Raum.

Der Tischler bleibt im MoMA-Text unbenannt. Diese Lücke sichtbar zu halten verhindert, dass aus einer belegten Begegnung im übersichtlichen Entwurfsbericht unbemerkt ein Erfindungsanspruch wird.

Zwei Materialien bleiben sichtbar verschieden

MoMA datiert seinen Stuhl auf 1999 und verzeichnet Kohlenstofffaser, Glasfaser und Filz. Es nennt Cappellini als Hersteller und identifiziert das Objekt als 114.2003, ein Geschenk der Designerin.1

Die Materialkombination gibt dem Auge zwei verschiedene Aufgaben. Das Gestell erscheint als leichte Linie im Raum, der Filz als weiches Feld für den Körper. Keines muss das andere nachahmen. Ihr Unterschied hilft, den Stuhl zu verstehen.

Eine durchgehend gepolsterte Schale kann die Arbeit eines Gestells verbergen. Hier lässt der Kontrast Fläche und Stütze ihre eigenen Charaktere behalten. Man kann sich die Weichheit des Textils vorstellen und zugleich dem Stuhlumriss darum folgen.

Ein allgemeiner dreibeiniger Hocker und ein allgemeiner Stuhl aus Textil und Gestell zeigen einen Wechsel von Material und Möbeltyp.
Ein allgemeiner dreibeiniger Hocker und ein allgemeiner Stuhl aus Textil und Gestell zeigen einen Wechsel von Material und Möbeltyp. Eigenes Schaubild, nicht maßstabsgetreu. Original PatinaHall schematic, not to scale.

Ein Prototyp ist ein anderes Objekt

SFMOMA führt einen Kasese-Stuhlprototyp von 1999 mit Hella Jongerius und Claudy Jongstra in den Zuschreibungen. Der Kasese sheep chair 28628 des Centraal Museum hat eigene Herstellerangaben, Materialien und Maße.23

Diese Einträge zeigen, weshalb ein vertrauter Entwurfsname erst der Anfang einer Identifizierung ist. Prototyp, Centraal-Museum-Stuhl und MoMA-Exemplar gehören zu einer verbundenen Geschichte, doch ihre dokumentarischen Einzelheiten sind nicht austauschbar.

Diese Unterscheidung hält auch Zusammenarbeit lesbar. Eine für einen Prototyp belegte Zuschreibung sollte dort erhalten bleiben, statt beiläufig auf jeden späteren Museumseintrag übertragen zu werden oder ganz aus dem Bericht zu verschwinden.

Eine sichtbare Übersetzung

Die grundsätzliche Klappidee fügt einen weiteren Kontrast hinzu: Ein Möbel mit festgelegtem Sitzplatz kann beim Verstauen ein anderes Verhältnis zum Raum bekommen. Der Museumstext belegt diesen Typwechsel, ohne eine genaue Scharnierzeichnung zu liefern.

Kasese belohnt Aufmerksamkeit für solche Übersetzungen. Ein Tischlerhocker wird zur Quelle eines neuen Entwurfs; ein leichtes Gestell trägt ein weiches Textil; ein wiedererkennbarer Name führt zu mehreren getrennt dokumentierten Objekten. Die Materialüberraschung ist am stärksten, wenn diese Unterschiede sichtbar bleiben.

RecherchenotizenBelege, Zusammenhänge und Grenzen

MoMA 114.2003 ist der Bezugspunkt dieses Textes. Sein Museumstext nennt den ugandischen Tischler nicht namentlich; gesonderte Zuschreibungen und Maße von SFMOMA oder Centraal Museum werden nicht auf diesen Stuhl übertragen.

Belegübersicht

Verbundene Themen und Belege

Geprüfte Fakten

  • Objekt datiert 1999dokumentiert

    MoMA datiert Kasese Sheep Chair 114.2003 auf 1999. Die Inventarnummer ist eine Museumskennung, kein Herstellungsjahr des Objekts. Der Stuhl des Centraal Museum und der SFMOMA-Prototyp sind getrennte Einträge mit anderen Maßen oder Zuschreibungen.

    Geprüft 26. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
    • Quelle 1MoMA object 114.2003: title, 1999 date, carbon fibre, fibreglass, felt, manufacturer and Rough Cut gallery label.
    • Quelle 2SFMOMA artist page, Works in the Collection: Kasese chair prototype 1999 jointly credited to Hella Jongerius and Claudy Jongstra
    • Quelle 3Centraal Museum object 28628: maker fields, 1999 date, 75 x 65 x 50 cm dimensions and acquisition 2000

Geprüfte Zusammenhänge

  • Kasese Sheep Chair, MoMA114.2003zugeschriebenHella Jongeriuszugeschrieben

    MoMA schreibt diesen Kasese Sheep Chair Hella Jongerius zu. Der Museumstext beschreibt die Anregung durch einen Hocker, den ein namentlich ungenannter Tischler in Kasese, Uganda, gefertigt hatte. Diese Quellenbeziehung macht Jongerius nicht zur Erfinderin des früheren Hockers und identifiziert dessen Hersteller nicht.

    Geprüft 26. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
    • Quelle 1MoMA object 114.2003: title, 1999 date, carbon fibre, fibreglass, felt, manufacturer and Rough Cut gallery label.
  • Kasese Sheep Chair, MoMA114.2003verwendet TechnikFolding fibre-frame construction in Kasese Sheep Chairdokumentiert

    MoMAs Museumstext beschreibt einen Klappstuhl aus leichten Hightech-Materialien; der Eintrag nennt Kohlenstofffaser, Glasfaser und Filz. Das stützt die grundlegende Klappgestell-Idee, keine genaue Scharnierrekonstruktion oder geprüfte technische Spezifikation.

    Geprüft 26. Oktober 2026 von der PatinaHall-Redaktion.
    • Quelle 1MoMA object 114.2003: title, 1999 date, carbon fibre, fibreglass, felt, manufacturer and Rough Cut gallery label.

Rechercheweg

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Hella Jongerius: Kasese Sheep Chair, 1999The Museum of Modern ArtAbgerufen 26. Oktober 2026
  2. Hella Jongerius: artist and Kasese prototype listingSan Francisco Museum of Modern ArtAbgerufen 26. Oktober 2026
  3. Kasese sheep chair, 28628Centraal Museum UtrechtAbgerufen 26. Oktober 2026